Die yogischen Atmungstechniken

Prãnãyãma-Übungen sind spezielle Atemtechniken und ein wichtigen Bestandteil des klassischen Yoga. Mit den Übungen wird also der Atem unter Kontrolle gebracht, damit er seine Funktion optimal erfüllen kann, und es werden günstige Voraussetzungen geschaffen, damit sich die Lebensenergie entfalten kann. Wir können uns den Vorgang wie ein Feuer vorstellen, dass still vor sich hin glimmt und raucht, wenn der Ofen oder Kamin nicht gereinigt wird oder das Feuer zu wenig mit Sauerstoff versorgt wird. Das gleiche Feuer ist voller Kraft und verstrahlt viel Wärme und Licht, wenn es richtig geschürt wird.

Die Yogis lehren: so wie der Mensch atmet, so ist er, so denkt er, so fühlt er, so ist er gestimmt, so liegt, sitzt und handelt er. Der Satz kann nun umgedreht werden: So wie der Mensch denkt, fühlt, ist oder handelt so atmet er.

Man sagt: Das Leben des Yogi bemisst sich nicht nach der Zahl seiner Lebenstage, sondern nach der Anzahl seiner Atemzüge. Darum befolgt er die rhythmische Vorlage eines reinen, langen und tiefen Atmens. Diese Rhythmen stärken das Atemsystem besänftigen die Nerven und verringert die Begierde. Es dauert lange, bis man gleichmäßiges und reines Ein- und Ausatmen gelernt hat.

Die Qualität des Atems ist also maßgebend für das vegetative Nervensystem und damit auch jede Körperfunktion, die damit verbunden ist. Sie stärkt das Gemüt, hebt die Stimmung und aktiviert jede Gehirntätigkeit. Am besten ist die Qualität des Atems, wenn er rhythmisch langsam, fließend und fein ist. Dann strömt am meisten Prana (Lebensenergie) ein und dann zirkuliert es am besten durch den Körper bzw. seine Energiefelder.

Die vollständige Yogische Atmung - Die Brust, Bauch und Schlüsselbeinatmung im Yoga

Im Yoga spielt die Bauchatmung eine besondere Rolle. Physiologisch gesehen, gibt es drei Arten zu atmen:

Primär-Atmung = Bauchatmung, auch Zwerchfellatmung genannt
Sekundär-Atmung = Brustatmung, auch Mittlere Atmung genannt
Tertiär-Atmung = Schlüsselbeinatmung, auch Obere Atmung genannt

Ein gesunder Mensch in Harmonie benutzt normalerweise von Natur aus die Bauchatmung. Denn mit der Bauchatmung bekommt man am leichtesten Luft. Bauchatmung ist notwendig für ein richtiges Funktionieren der Bauchorgane. Die Bauchorgane brauchen nämlich Massage und die Bauchatmung sorgt für eine gute Massage aller Bauchorgane. Die Bauchatmung funktioniert auch als Venenpumpe. Durch die Bauchatmung kommt das venöse Blut besser zurück zum Herzen, was sehr gut ist, um Krampfadern vorzubeugen und wichtig für die Gesundheit des gesamten Kreislaufs ist. Im Bauch befindet sich auch das Sonnengeflecht, ein wichtiges Energiezentrum. Man spricht auch vom „Bauchhirn“. Im ganzen Bauch befindet sich eine Art zweite Intelligenz, die instinktive Intelligenz. Durch die Bauchatmung findet man so zu seiner eigenen Mitte und kann sich bewusst aufladen. Es heißt sogar, wer sich regelmäßig auf den Bauch konzentriert, bekommt Zugang zur eigenen Körperintelligenz. Man spürt innerlich, was gut für einen ist und bekommt auch die Kraft, das zu machen, was gut für einen ist.

Im Yoga atmet man in der Regel durch die Nase, es sei denn die ausdrückliche Anweisung lautet anders. Man macht nach jedem Ein- bzw. Ausatmen eine kurze Atempause (2-5 Sek.), damit der Sauerstoff in die Zellen gelangen kann. Und der Atem führt, d. h. die Asanas folgen dem Atemrhythmus.

Die 3 Funktionen des Atems:

Einatmen                 - Pûraka (Auffüllen der Lungen)
Ausatmen                - Rechaka (Entleeren der Lungen)
Anhalten des Atems - Kumbhaka (Atempause)

Die 2 Arten von Kumbhaka

Antara Kumbhaka  – Anhaltung des Atems nach vollständiger Einatmung
Bahaya Kumbhaka – Anhaltung des Atems nach vollständiger Ausatmung

Achtung! Das Bahaya Kumbhaka darf erst ausgeführt werden, wenn das Antara Kumbhaka zur Gewohnheit geworden ist!

Wir haben gelernt: Die Reinheit des Körpers ist notwendig für das Wohlbefinden. Während gute Gewohnheiten, wie etwa Baden, den Körper äußerlich reinigen, so reinigen ihn Prãnãyãma und Asanas von innen. Prãnãyãma säubert die Lungen und füllt sie mit Luft, führt dem Blut Sauerstoff zu und reinigt die Nerven.

Einige Hinweise:

Die beste Zeit für die Übung ist der frühe Morgen (besonders vor Sonnenaufgang) und die Zeit nach Sonnenuntergang

Die besten Jahreszeiten um mit Pranayama zu beginnen, sind Frühling und Herbst da das Klima dann mäßig ist.

Pranayama sollte an einem sauberen, luftigen Ort geübt werden. Da Lärm innre Unruhe schafft, sollte man in ruhigen Stunden üben

Pranayama sollte vorzugsweise mit leerem Magen ausgeführt werden

Eine Halbe Stunde nach dem Pranayama kann leichte Nahrung eingenommen werden

Die Hathayogapradipika verlangt, dass Pranayama viermal am Tag geübt wird.
             In unserem unruhigen Zeitalter ist dies kaum möglich. Deshalb wird empfohlen, mindestens 15 Minuten am Tag zu üben.


Achtung! Da Prãnãyãma sehr intensiv auf den Körper und das vegetative Nervensystem wirkt, sollte es nur unter Aufsicht eines ausgebildeten und erfahrenen Lehrer praktiziert werden.